Orthopädiezentrum Kurfürstendamm

Dr. Thomas Czerlitzki, Dr. Alexander Putzo
Kwame Boaten, Daniel Hennig
Sabine Just, Uta Aßmann

Frozen shoulder (Schultersteife) - Wenn die Schulter einfriert

Der Begriff frozen shoulder bedeutet übersetzt „eingefrorene Schulter“ und beschreibt die Versteifung des Schultergelenkes, also die Schultersteife. Einige weitere Begriffe in diesem Zusammenhang, die heute nur noch selten benutzt werden, sind die Bezeichnungen adhäsive Kapsulitis oder Periarthritis humeroscapularis (PHS).

Wie entsteht eine solche Versteifung des Schultergelenkes?

Zunächst muss unterschieden werden zwischen der primären Schultersteife, die ohne erkennbaren Anlass auftritt und deren Ursache bis heute noch nicht genau geklärt ist und der sekundären Schultersteife, die nach Unfällen oder auch Operationen der Schulter auftritt.

Primäre Schultersteife, frozen shoulder

Bei dieser Form der Schultersteife ist die Entstehung weitgehend ungeklärt. Häufig tritt diese Erkrankung auf bei Diabetikern sowie bei Schildrüsenerkrankten. Charakteristisch ist der Beginn der Erkrankung ohne erkennbaren Anlass mit rasch zunehmender schmerzhafter Bewegungseinschränkung der Schulter. Grund dafür ist eine Entzündung der Gelenkkapsel, die zu einer Verdickung und Schrumpfung der Kapsel führen. Diese erste Phase der Erkrankung wird freezing Phase genannt. Es entwickelt sich in dieser Phase das sogenannte Kapselmuster der Bewegungseinschränkung mit Reduktion insbesondere der Aussenrotation und Abspreizfähigkeit des Schultergelenkes.

In der darauf folgenden zweiten Phase, der frozen Phase, ist die Schulter stark bewegungseingeschränkt, jedoch lassen die Schmerzen langsam nach. Aufgrund der Bewegungseinschränkung ist die Gebrauchsfähigkeit des betroffenen Armes stark eingeschränkt. Es entwickeln sich in dieser Phase zusätzlich häufig Muskelrückbildungen.

In der letzen Phase der Erkrankung, der thawing Phase, bildet sich die Bewegungseinschränkung wieder zurück, die Schulterfunktion normalisiert sich wieder, allerdings beträgt der Erkankungsdauer unbehandelt ca. 2 Jahre und nicht immer kommte es zur vollständigen Ausheilung.

Wie kann man eine primäre Schultersteife behandeln?

Aufgrund der starken Beeinträchtigungen für den Patienten wird heute eine primäre Schultersteife möglichst frühzeitig behandelt. Hierzu bedarf es einer sorgfältigen Patientenbefragung und körperlichen Untersuchung. Häufig wird zum Ausschluss anderer Erkrankungen des Gelenkes eine Bildgebung mittels Sonographie, Röntgen oder MRT notwendig. Ist die Diagnose gesichert, wird in der hoch akuten, schmerzhaften freezing Phase, in der häufig schmerzbedingt auch der Schlaf stark beeinträchtigt ist, zunächst die Entzündung der Kapsel bekämpft.

Neben dem Einsatz von Antirheumatika müssen oft Kortison-Präparate eingesetzt werden. Möglich ist die lokale Applikation per Injektion oder, falls dies nicht ausreicht, die orale Gabe (Tabletten) über ca 4 Wochen beginnend mit ca 40 mg Prednisolon pro Tag. Bei Patienten, die an Diabetes erkrankt sind, ist diese Therapie manchmal schwierig, da Kortison zu Blutzuckererhöhung führt. Da die Entzündungshemmung aber wesentlich ist, muss im Einzelfall entschieden werden, ob und wie diese Therapie dennoch eingesetzt werden kann.

Nach Abklingen der akuten Entzündung ist eine intensive physio- und  manualtherapeutische Behandlung sinnvoll, um das Bewegungsausmaß der Schulter wieder zu normalisieren und Muskeldefizite abzubauen. Nur in sehr fortgeschrittenen Fällen ist eine operative Therapie notwendig, bei der die Kapsel endoskopisch gespalten wird.

Sekundäre Schultersteife

In diesen Fällen ist die Ursache durch genaues Gespräch und Untersuchung des Patienten erkennbar. Häufig liegen Verletzungen des Gelenkes vor, aber auch nach Operationen im Bereich der Schulter kann eine sekundäre Schultersteife auftreten.

Wie wird die sekundäre Schultersteife behandelt?

Wichtig ist hier zunächst das Erkennen des Auslösers der Erkrankung. Eine genaue Untersuchung und Bildgebung ist hierzu unerlässlich. Eine gezielte konservative Therapie auf diesen Auslöser abgestimmt, führt dann in den meisten Fällen zu guten Ergebnissen. In der Regel muss hier weniger häufig Kortison eingesetzt werden. Die Physio- und manualtherapeutische Behandlung stellen hier das wesentliche Behandlungskonzept dar. Sollte jedoch der Auslöser ein wesentlicher Strukturschaden des Gelenkes sein, wie zum Beispiel die Zerreißung von Bändern oder Sehnen, ist die Indikation zur operativen Therapie zu prüfen.

Fazit

Eine frühe intensive Behandlung vermeidet häufig lange und schmerzhafte Verläufe und mindert die Wahrscheinlichkeit, dass eine operative Therapie notwendig wird.Wichtig ist daher eine frühzeitige genaue Diagnostik, damit eine frozen shoulder im Anfangsstadium nicht übersehen wird.